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Wundervolle Klangpoesie im Kirchturm

Wundervolle Klangpoesie im Kirchturm

Die Stimmung bei den ersten "Nächten der Poesie" in Blomberg in dem bis auf den letzten Stehplatz gefüllten Martiniturm kann kaum in Worte gefasst werden: Lichteffekte, blumige Dekoration, nachdenklich stimmende Texte, gefühlvoll vorgetragen von Anna Dramski, und eine unbeschreiblich intensive Musik von Volkwin Müller und Mike Turnbull entführten die Besucher in eine andere Welt.

Die interpretierten Texte und Songs des niederländischen Musikers und Lyrikers Herman van Veen fügten sich ideal in das Konzept von Nelke.küsst.Tulpe, und dies nicht nur weil für Herman van Veen Themen wie Völkerverständigung, der Kampf gegen Unterdrückung und der Wunsch nach Frieden ein besonderes Anliegen sind. In seinem Text "Freunde" aus dem Buch "Lieber Himmel" beschäftigt er sich auch besonders mit der Wirkung und Bedeutung von Blumen. Besonders schön ist seine Aussage, dass "(...) wir vor allem von den Blumen lernen können, wie man lebt".

Dass diese Ruhe nicht immer zu finden ist, drückt van Veen fantastisch in seinem sehr alltagsbezogenen Text "Unterwegs" aus. Auf dem Weg zu einem Sting-Konzert reihen sich die üblichen Probleme einer langen Autofahrt aneinander: Staus und zäh fließender Verkehr, im Tank zu wenig Benzin, die Kreditkarte, die nicht funktionieren möchte... Anna Dramskis Lesung lies den entstehenden Stress und die Anspannung für die Zuhörer intensiv spürbar werden. Die Besucher wünschten sich ebenso sehnlichst wie Van Veen, doch noch rechtzeitig bei dem lang erwarteten Sting-Konzert anzukommen. Diese Spannung wurde durch großartig eingeworfene Intros von Sting und Police-Songs, individuell interpretiert von Volkwin Müller und Mike Turnbull, noch gesteigert. Das Warten der Zuhörer wurde am Ende der Lesung mit einer gefühlvollen Interpretation von "Roxanne" belohnt.

Ansonsten standen musikalisch Umsetzungen von Van Veen-Songs im Vordergrund, aber auch Stücke aus der Feder von Volkwin Müller wurden themenbezogen eingeflochten. Dass Volkwins eigene Kompositionen eine Zeit lang auch von Van Veen beeinflusst wurden, zeigte sich besonders in den Interpretationen von "Signale" (von Herman Van Veen) und "Deine Signale" (von Volkwin Müller) - einem Song, den Volkwin für Van Veen geschrieben hat. Volkwins einmalige Stimme und sein besonderes Gitarrenspiel wurden von Mike Turnbulls versierten Percussionklängen intensiv und effektvoll unterstrichen. Und die klare Stimme von Anna Dramski, die für die Nächte der Poesie extra aus Berlin angereist war, brachte den Zuhörern auch die etwas schwierigeren Überlegungen Van Veens nahe.

Dass Van Veens Werke nachdenklich stimmen, oft leicht ironisch sind, jedoch auch eine schöne Prise Humor besitzen und letztlich durchaus ein wenig verzaubern können, all dies wurde bei den Nächten der Poesie eindrucksvoll verdeutlicht. Kein Wunder somit, dass auch vor dem Martiniturm zahlreiche Zuhörer den Abend genossen und sich während des Abends über zwanzig Tauben versammelten, um den Klängen von Sprache und Musik zu lauschen. Und in dem farbigen und irgendwie schwerelos wirkenden Ambiente des Kirchturms fühlte man sich fast so wie die Seifenblasen, die am Ausgang tanzend in den Bäumen verschwanden.

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