
Das Rittergut und die Flieger am Nessenberg charakterisieren den Ortsteil Borkhausen
Blomberg-Borkhausen. Bei guter Sicht und ausreichender Thermik ist der Blomberger Ortsteil Borkhausen schon weithin erkennbar. Dann steigen am Flugplatz unterhalb des Nessenbergs die Segelflieger auf. Das von der Luftsportgemeinschaft Lippe-Südost e. V. Blomberg betriebene Gelände ist eine von zwei markanten Adressen in dem 45-Seelen-Örtchen. Die andere ist das ehemalige Rittergut Borkhausen.
Doch die Zeiten des Adelssitzes sind seit mehr als hundert Jahren vorbei. 1889 verkaufte Theodor August Otto von Hornhardt den Besitz. 1729 hatte die Familie das Gut für 48000 Reichsmark von den von Donops gekauft. Noch heute zeugt der Familienfriedhof der von Hornhardts von deren 160-jährigem Wirken. Gleich daneben findet sich die letzte Ruhestätte der Vorfahren von Hans-Jürgen Tielker.
Seit 1907 – Urgroßvater Wilhelm Tielker hatte das Gut erworben – ist das Anwesen im Familienbesitz. „Heute bewirtschaften wir das Anwesen allein“, deutet Jürgen Tielker auf seine Frau Bärbel und sich. Ohne gute Freunde, die „aushelfen, wenn Not am Mann ist“, sei das nicht zu bewältigen. Großvater Theodor Tielker war „der Macher“ im 20. Jahrhundert. Nach Aufhebung der Gutsgemeinde 1920 wurde er der erste Bürgermeister der neuen politischen Gemeinde, zu der auch Freismissen und der Meierhof gehörten. Das Amt bekleidete er mit einer Unterbrechung durch die Nationalsozialisten bis ins hohe Alter von 84 Jahren. Nach seinem Tode 1963 übernahm Sohn Hans-Theodor Tielker dieses Amt bis zur Eingemeindung.
Seit neun Jahr bilden Friedrich-Wilhelm Göke und Beate Borchers Dressurpferde in der Reithalle des Gutes aus. „Dressurreiter aus ganz Lippe lassen sich bei uns aus- und weiterbilden“, so die unter anderem vom heutigen Trainer der dänischen Olympiaequipe, Rudolf Zeilinger, ausgebildete Borchers. Bärbel Tielker versorgt derweil die Mutterkuhherde des Guts. „Obwohl wir es oft gesehen haben, ist die Geburt eines Kalbs immer ein besonderer Moment“, sagt sie. Und am vergangenen Mittwoch um 16.30 Uhr strahlten ihre Augen, als die 16-jährige „Emma“ das 15. Kalb der Herde in diesem Jahr draußen auf der Weide zur Welt brachte. Gatte Hans-Jürgen bewirtschaftet 147 Hektar Ackerland des Gutes. Darunter einige im Umland gepachtete Flächen. Getreide, Raps und Zuckerrüben sind die hauptsächlichen Erzeugnisse. „11,2 Hektar unseres Bodens haben wir an den Flugplatz verpachtet“, so Tielker. Und auf, am und vor allem über dem Rollfeld fühlt sich Segelfluglehrer Helmut Brand Zuhause. Als Mann der ersten Stunde war der 84-Jährige schon 1931 bei der Gründung des „Segelflieger Blombergs“ genannten Vereins dabei.
„In einer Scheune haben wir damals angefangen“. Anfang der 60er Jahre pachtete der Verein das Flugplatzgelände von Familie Tielker. „Unser Glück, dass er das damals getan hat“, erinnert sich der seit 1938 für Motorsegler und Segelflieger lizensierte Fluglehrer. Seit 1968 ist das Flugfeld als Sonderlandeplatz für Motorflieger bis 1800 Kilo zugelassen. Etwa 100 aktive Mitglieder zählt der Verein heute, im Jahr 2000. Diesen stehen zwölf Segler, zwei Motorsegler und ein Motorflugzeug als Vereinsgerät zur Verfügung. Doch in den Hallen auf etwa einem Hektar vereinseigenen Areal haben auch viele Privatmaschinen ihren Platz gefunden, von dem aus sie sich in den Himmel über Borkhausen aufschwingen.
Info
- Einwohnerzahl: 60
- Größe: 2793399 Quadratmeter
Besonderheiten
- Flugplatz
- Reitschule für Dressurpferde
Vereine:
Luftsportgemeinschaft Lippe-Südost Blomberg
Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von der Lippischen Landes-Zeitung im Jahre 2000 übernommen und 2008 aktualisiert.
Zum Schluss noch ein paar Stichworte zum Ortsteil.

