
Nicht nur die optimale Lage macht das Dorfleben hier lebenswert
Blomberg-Brüntrup. Am Freitagabend fliegen im Brüntruper Dorfgemeinschaftshaus die Röcke: Square-Dance ist angesagt. Männer und Frauen laufen durcheinander, immer mit einem Ohr am Caller, dem Mann, der die Formationen ansagt. Für den Laien hat das, was die 18 festen Tänzerinnen und Tänzer um Veronika Meiseberg hier veranstalten, etwas von Chaos. Und doch hat alles seine Ordnung. Es funktioniert. Wie fast alles in Brüntrup.
Das Geheimnis verrät Ortsvorsteher Hans-Adolf Albrecht: „Wir nehmen hier eben vieles selbst in die Hand.“ Beispiel: Die städtischen Blumenkübel wurden in einer Gemeinschaftsaktion bepflanzt. Daneben pflegen die Brüntruper ihren Rundwanderweg, den sie selbst ausgebaut haben. Und natürlich haben sie auch ihr Dorfgemeinschaftshaus in Eigenleistung errichtet. Das war 1996. Zuvor hatte die letzte Gaststätte – der „Köhnenhof“ – nach mehr als 200 Jahren ihre Türen für immer geschlossen. Zwar gibts in Brüntrup keine Kneipe mehr, dafür aber einen Lebensmittelladen. Und der wird von den Bewohnern gehegt und gepflegt, unterstreicht Albrecht. Schließlich sind frische Brötchen in einem Dorf heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Doch in Brüntrup gibts noch mehr – „Nahrung“ für den fahrbaren Untersatz nämlich. Die freie Tankstelle wurde gerade erst umgebaut und ist nun auf dem neuesten ökologischen Stand. Zum Treffpunkt der Brüntruper jeden Alters hat sich mittlerweile das Dorfgemeinschaftshaus entwickelt:
Die Krabbelgruppe trifft sich hier ebenso wie die Seniorenturnriege oder die Chorgemeinschaft. Dank der unmittelbaren Nähe zum Kindergarten können die Kleinen schnell in die Aktivitäten im Dorf eingebunden werden – zum Beispiel, wenns um das Schmücken des Brüntruper Weihnachtsbaumes mit Selbstgebasteltem geht. Apropos Gemeinschaftsaktionen: Die werden in Brüntrup vom Dorfausschuss koordiniert, der inzwischen auch Mitglied im Lippischen Heimatbund ist. In ihm sind alle Vereine – egal ob Sänger, Sportler oder Jäger – vertreten. Der Dorfausschuss ist es auch, der jedes Jahr am letzten Samstag in den Sommerferien zum Dorffest einlädt. Dass er dabei tatkräftig von vielen Brüntrupern unterstützt wird, ist klar. Übrigens auch von den Jägern, die mit einer Ausstellung über das heimische Wild informieren.
Im Jahre 1363 wurde „Bruninctorpe“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Obwohl der Ort im Herzen Lippes – nur je zehn Kilometer sind es bis Blomberg, Horn, Detmold oder Lemgo – wahrscheinlich schon viel älter ist. In der frühen Neuzeit, so liest man in der Dorfchronik, habe das Gewerbe nur eine geringe Rolle gespielt – zu günstig waren die landwirtschaftlichen Bedingungen. Heute gibt es noch zwei große Höfe im Dorf: Obermeier und Niedermeier, entsprungen aus dem Meierhof.
Die Dorfgemeinschaft intakt, die Busverbindungen top, die Lage optimal – kein Wunder, dass man gerne in Brüntrup wohnt. Dem Zuzug sind allerdings Grenzen gesetzt: Bauland ist rar. Zwar wird der neue Flächennutzungsplan einige neue Bauplätze ausweisen, doch nur, damit Brüntruper in Brüntrup bauen können. „Wir sind kein Siedlungsschwerpunkt“, betont der Ortsvorsteher. Dennoch leidet der Ort unter dem steigenden Verkehrsaufkommen. Albrecht: „Wir hoffen auf eine Verlängerung der L 758“. Seit die Straße von Barntrup nach Großenmarpe ausgebaut wurde, führen nämlich 50 Prozent der Barntruper auf dem Weg nach Detmold durch Brüntrup. Klar, dass die Dorfbewohner davon nicht begeistert sind.
Info
- Einwohnerzahl: 554
- Größe: 4597727 Quadratmeter
Besonderheiten
- einzige Square-Dance Gruppe Lippes
- selbst ausgebauter Rundwanderweg am Eicholz
- umfangreiche Dorfchronik
Infrastruktur
Dorfgemeinschaftshaus, Tankstelle, Friedhof, Lebensmittelgeschäft, zwei Vollerwerbs-Landwirte, zwei Spielplätze, Kindergarten, Sportplatz
Vereine
„Sportverein „Schwarz-Weiß“ Brüntrup, Chorgemeinschaft Brüntrup, Jagdgenossenschaft, Seniorentreff (in Verbindung mit der Kirchengemeinde Cappel), Dorfausschuss
Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von der Lippischen Landes-Zeitung im Jahre 2000 übernommen und 2008 aktualisiert.
Zum Schluss noch ein paar Stichworte zum Ortsteil.

