Cappel liegt eingebettet in eine landschaftliche Mulde, weithin leuchtet der senfgelbe Kirchturm. Hier geht es geruhsam zu. Der Eindruck täuscht nicht.

Cappel

Dorfidylle mit senfgelbem Kirchturm

Blomberg-Cappel. Spaziergänger genießen den Blick vom Hühnerberg: Cappel liegt eingebettet in eine landschaftliche Mulde, weithin leuchtet der senfgelbe Kirchturm. Hier geht es geruhsam zu. Der Eindruck täuscht nicht.

Nur der Verkehr fließt unablässig durch den Ort. Schon lange wünschen sich die Cappeler eine Umgehungsstraße. Problematisch ist insbesondere der Ortseingang in Richtung Altenkamp, wo kein Bürgersteig existiert. Mit heute 638 Bürgern hat sich die Einwohnerzahl in den vergangenen hundert Jahren knapp verdoppelt. Der entscheidende Grund liegt in der Ausweisung von Neubausiedlungen in den letzten vier Jahrzehnten. Kinderspielplätze und ein Bolzplatz entstanden dabei. Immerhin habe sich der Ort bislang eine gewisse Infrastruktur mit Gewerbe, Bankfilialen und Lebensmittelversorgung bewahren können.

In landschaftlich reizvoller Gegend kann hier Sport betrieben werden. Das gilt für das Waldstadion und die Tennisplätze ebenso wie auch für die Gänsekuhle, wo Waldkonzerte, Gottesdienste und Grillfeste stattfinden. Seit den 80-er Jahren ist Cappel auch zu einem Treffpunkt für Golfer geworden; der Lippische Golfclub betreibt am Randes des Ortes ein Clubhaus mit einer 18-Loch-Anlage. Mittelpunkt des Dorfes ist die alte Schule, die – 1992 von Bürgern mit Unterstützung der Stadt ausgebaut – heute Vereinen für ihre Aktivitäten dient. „Große Sorgen bereiten dem Dorfausschuss der voraussichtlich in absehbarer Zeit fehlende Festsaal für größere Veranstaltungen“, erzählt Ortsvorsteher Bernhard Büscher. Die einzige Gaststätte im Ort ist seit 1999 vergangenen Jahres geschlossen.

Der angeschlossene Festsaal ist sanierungsbedürftig und kann von den Vereinen nur noch bis 2003 genutzt werden. Zu den jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen gehören das Gänsekuhlenfest und der Weihnachtsmarkt. Der Ortsvorsteher wünscht sich jedoch mehr Leben im Dorf. „Es ist heute schwierig, Menschen zu erreichen, um sie für das Vereinsleben zu gewinnen“. Bestrebungen habe es immer gegeben, beispielsweise eine Umwelt/Naturschutzgruppe und eine Laienspielgruppe. Selbst bei der größten Vereinigung, dem Sportverein, sei die Jugendarbeit ein Problem. „Cappel war früher für umliegende Ortschaften interessant“, erklärt Büscher. Doch seitdem es in Mossenberg das neue Dorfgemeinschaftshaus und ebenfalls in Kleinenmarpe einen Treffpunkt gebe, zögen diese auch Cappeler an. „Was hier fehlt, sind Impulse seitens der Vereine“, bedauert Büscher. Nicht zuletzt fehlten Kindergarten und Grundschule im Ort, die ebenfalls eine Dorfgemeinschaft förderten.

Cappel
Kirche in Cappel, Foto: Rüdiger Haase

Immerhin gibt es seit neuestem einen Jugendkeller in Cappel, getragen von der evangelischen Kirche. Das moderne Gemeindehaus ist Treffpunkt verschiedener Gruppen. Doch Cappel hat auch lippische Kirchengeschichte geschrieben. 800 nach Christi Geburt wurde hier eine Kapelle errichtet, was bedeutet, dass der Ort wahrscheinlich Ursprung der ersten lippischen Kirche oder Gemeinde war. Laut einer Urkunde aus dem Jahr 1366 ist bekannt, dass Cappel einmal Amtssitz des damaligen Fürstentums war. Hier trafen sich bis 1590 die lippischen Landstände, also Vertreter der Städte und Adelsgüter zu ihren Beratungen mit dem Landesherrn. „Die 50 Meter hohe Cappeler Kirche ist mit ihren 170 Jahren eine der ältesten in Lippe“, weiß Ortsvorsteher Büscher. Hier beschloss der Landtag 1538 die Reformation in Lippe. Hier war es auch als am 8. September 1636 fünf „Polachen“ die Kirche anzündeten, als sich der Pastor mit seinem Sohne im Turm verborgen hielt. Beide konnten mit Müh und Not ihr Leben retten, von der Kirche blieb nur der massive Unterbau des Turmes erhalten. Die Kirche wurde wieder aufgebaut, so miserabel allerdings, dass das Kirchenschiff während eines Gottesdienstes 1827 zusammenfiel. Im klassizistischen Stil wurde sie schließlich wieder erbaut und zwei Jahre später eingeweiht.

Info

  • Einwohnerzahl: 638
  • Größe: 2813265 Quadratmeter

Besonderheiten:

  • Lippischer Golfplatz mit 18-Loch-Anlage
  • vermutlich ältester Kirchenort Lippes

Infrastruktur

Gemeindehaus, alte Schule, praktischer Arzt, zwei Bankfilialen, Postagentur, Fleischerei, Lebensmittel/Getränkemarkt, Raumausstatter/Polsterer, Bautischlerei, Sportanlage Waldstation, Tennisplätze, zwei Spielplätze, Bolzplatz, Grillplatz, Festsaal

Vereine

Sportverein, Heimatverein, invento musica, Männergesangverein, Ziegler- und Handwerksverein, Kirchenchor, Lautenkreis „Heimatklang“

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von der Lippischen Landes-Zeitung im Jahre 2000 übernommen und 2008 aktualisiert.

Zum Schluss noch ein paar Stichworte zum Ortsteil.