Dalborn

Ein kleines Dorf macht sich auf den Weg zurück zur Natur

Blomberg-Dalborn. Sinne an – Stress aus: Ein sonniger Tag in Dalborn ist Erholung pur. Patentrezepte dafür gibt es nicht. Aber das 100-Seelen-Dorf nahe der Ostwestfalenstraße hat noch das, wonach Städter sich immer sehnen: Gemütlichkeit.

Fachwerkhaus Dalborn
Foto: Rüdiger Haase

Hier kennt jeder jeden. Und doch ist der Freiraum groß genug. „Wenn man vor die Tür geht, tritt man nicht gleich dem Nachbarn auf die Füße“, macht Otto Beermann deutlich, was für ihn das Landleben ausmacht. Der ehemalige Ortsvorsteher ist ein Dalborner Urgestein: „Ich wohne hier seit Menschengedenken“. Das ist schon ganz schön lange. Und seither hat sich in Dalborn einiges geändert: Früher gab es zwei Tischlereien, heute gibt es keine mehr, früher gab es neun bewirtschaftete Bauernhöfe, heute hat sich die Zahl der Vollerwerbslandwirte auf drei reduziert. Früher, direkt nach dem Krieg, hatte Dalborn mehr als 200 Einwohner, heute sind es gerade mal die Hälfte. Die Zeit ist eben an dem kleinen Dorf nicht spurlos vorbeigegangen. Jedoch hat sie auch durchaus schöne Spuren hinterlassen. Vorbildlich restaurierte Fachwerkhäuser, zum Beispiel. Doch in Dalborn gibt es mehr als schöne Häuser und Höfe: Die Gaststätte „Zum alten Jäger“ ist „ein echter Geheimtipp“.

Täglich außer Donnerstags ist das Lokal geöffnet, und die Gäste kommen nicht nur aus der näheren Umgebung – um Wildspezialitäten, Schlachteplatte und andere Delikatessen zu probieren. „Zurück zur Natur“ – ein Trend, den man auch in Dalborn erkannt hat. Auch ein Bioland-Hof befindet sich in der Nähe. Der hat allerdings seinen „Hauptsitz“ vor kurzem um ein paar Meter verlegt – auf Detmolder Gebiet. Und sogar einen Kinderladen haben die Dalborner. Der dürfte wohl vor allem Insidern bekannt sein, liegt er doch recht versteckt:

Über einen Feldweg gelangt man zum Haus der Twetes. Hier hatte die Hebamme Jutta Twete vor knapp einem Jahr die Idee, Naturprodukte rund ums Baby zu verkaufen. Und die jungen Eltern finden den Weg zu ihr – wie übrigens auch ein amerikanischer Soldat Jahrzehnte vorher: Der legte mit seinem Bomber eine filmreife Bruchlandung in Twetes Garten hin – 1982 war das. Passiert ist niemandem was: „Nur der Kaffee schmeckte nachher so merkwürdig nach Kerosin“, schmunzelt Otto Beermann. Heute kann man drüber lachen. Normal ist es für die Dorfbewohner auch, am Vereinsleben im benachbarten Donop teilzunehmen, die Kirche in Cappel zu besuchen und die Grundschule in Großenmarpe. Was aber nicht heißt, dass die Dorfgemeinschaft nicht aktiv ist: Obstbäume werden gepflanzt, Kopfweiden geschnitten und in diesem Jahr gab es sogar erstmalig eine groß angelegte Kröten-Rettungsaktion.

Ganz zu schweigen von den Dorffesten, die nach großem Erfolg jedes Jahr wieder stattfinden.

Info

  • Einwohnerzahl: 85
  • Größe: 2843388 Quadratmeter

Besonderheiten:

  • Waldhufendorf, das in seiner Urform erhalten ist
  • Dalborner Mühle (nicht mehr in Betrieb)
  • „Quelle im Tal“: sechs Wasserläufe durchfließen den Ort in West.Ost.Richtung

Infrastruktur

Gaststätte „Zum alten Jäger“, drei landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe, ein Baby-Naturwaren-Laden, eine Hebamme, Friedhof

Vereine: Dorfgemeinschaft und Jagdgenossenschaft

Naturwaren rund ums Baby gibts in dem versteckt gelegenen Lädchen der Familie Twete.

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von der Lippischen Landes-Zeitung im Jahre 2000 übernommen und 2008 aktualisiert.

Zum Schluss noch ein paar Stichworte zum Ortsteil.