Der Lieblingssitz des Edelherrn
Blomberg. Blombergs größter Arbeitgeber startete im Lippischen ganz klein: In einer Garage am Bürgerheim begann 1943 der allmähliche Aufstieg von Phoenix Contact. Heute produzieren rund 3500 Mitarbeiter modernste Technologie, made in einer lippischen Kleinstadt.
Wer die Stadt im lippischen Südosten in wenigen Zeilen beschreiben will, tut sich schwer. Zu facettenreich ist das, was die „kleine Stadt, die alles hat“, – so der neue (alte) Werbeslogan, – ausmacht: da ist zum einen die Altstadt mit wunderschönen Fachwerkhäusern, einem historischen Rathaus (1587), der alten Stadtmauer und der mittlerweile gastronomisch genutzten Burg – einst Lieblingssitz des lippischen Edelherrn. Im Jahre 1255 wurde Blomberg als Stadt erstmalig erwähnt. Anders als in der Soester Fehde, wo die Stadt im Jahre 1447 völlig zerstört wurde, blieben die Blomberger Häuser während des Zweiten Weltkrieges unversehrt. Und so ist der historische Kern bis heute weitgehend erhalten.
Info
- Einwohnerzahl: 9369
- Größe: 20156560 Quadratmeter
Besonderheiten
- Städtepartnerschaften zu Berlin-Reinickendorf, Oschatz und Papendrecht (Niederlande)
- Kirchturm ohne Kirche
- mittelalterliche Burg, Stadtmauer und Stadttor
Infrastruktur
Polizeiwache, Feuerwehr, Arbeitsamt, Amtsgericht, Arbeitslosenzentrum, Feriendorf, Jugendzentrum, Diakoniestation, Minigolfanlage, Hallen- und Freibad, drei Kirchen (ohne Freikirchen), zwei Grundschulen, Schulzentrum mit zwei Großraumturnhallen sowie Haupt-, Pestalozzi- und Realschule, Gymnasium, zwei Kinderhorte, vier Kindertagesstätte, zwei Sportplätze, Tennisplätze und -halle.
Vereine
Altes Blomberger Schützenbatallion, zwei Sportvereine, sieben Chöre und Musikvereine, Freiwillige Feuerwehr (mit Jugendgruppe), drei Elternvereine, Förderkreis der Einzelhändler, Wirkverein, Hundeverein, Sportfischer, Umweltschutzverein u.v.m.
Am Rande entstanden nach dem Krieg die einzelnen Siedlungen: Steinkuhle, Gergerloh und Flachsmarkt zunächst, später Bexten und als letztes der „Hamburger Berg“. Im Oktober 1974 bezog der erste Einwohner sein Eigenheim im jüngsten Neubaugebiet. Dessen Erweiterung in östliche Richtung ist noch nicht abgeschlossen. Im ersten Abschnitt „Saulsiek“ wird derzeit kräftig gebaut, der zweite Bereich ist bereits in Planung. Dass die „Hamburger Bergler“ – deren Straßen übrigens allesamt Berliner Ursprungs sind und inzwischen sogar Stadtteil-Namen aus dem Osten tragen – trotz des rasanten Wachstums zusammenhalten, ist Ortsvorsteher Dieter Rieke besonders wichtig: Die „Nachbarschaft Hamburger Berg“, Anfang 1977 gegründet, organisiert seither Feste und Fahrten für die Anwohner. „Der Fortschritt ist mit Phoenix nach Blomberg gekommen“, sagt eine, die es wissen muss: Christa Fritzemeier, Blombergs zweite Ortsvorsteherin und gleichzeitig Ehefrau des beliebten und bekannten Bürgermeisters Heinrich Fritzemeier, der 1983 nach mehr als einem Vierteljahrhundert Amtszeit starb. Ein Glück, dass das Unternehmen, während des zweiten Weltkriegs in Essen ausgebombt, hier eine neue Heimat fand.

- Immer wieder ein Anziehungspunkt: Das herbstliche Kartoffelfest auf dem Marktplatz. Im Hintergrund das historische Rathaus von 1587 sowie der einsame Turm der Martinskirche. Foto: Rüdiger Haase
Denn die Blomberger Stuhlfabriken – 1880 wurde die erste von Kaufmann Krohne gegründet – gingen peu à peu zugrunde. Ein zweiter Wirtschaftsfaktor machte sich Anfang der 60-er Jahre breit: Der Bau einer Nato-Kaserne im Gewerbegebiet „Feldohlentrup“ und der damit verbundene Zuzug niederländischer Militärangehöriger und ihrer Familien war nicht nur eine Bereicherung für die Geschäftswelt. Schulen entstanden, Wohnungen wurden gebaut. Ein Zeichen für das gute Miteinander: Viele ehemalige Nato-Angehörige blieben auch nach dem Truppen-Abzug Anfang der 90-er. Niederländische „Import-Veranstaltungen“ wie der Vier-Abende-Marsch oder der Einzug des Sint Nicolaas finden noch heute regelmäßig statt.
Stadtbild, nigelnagelneues Freibad, Anbau am Schulzentrum, fesche Neubaugebiete und Siedlungen – Vieles hat sich zum Positiven verändert. Einiges auch zum Nachteil: Von der Kleinstadt, in der jeder jeden kennt, ist nicht viel geblieben. Die Übernachtungsgäste meint Fritzemeier an einer Hand abzählen zu können: „Wir müssen mehr für den Fremdenverkehr tun“, sagt die Ortsvorsteherin, die immer noch das Bild voller Busse aus der Partnerstadt Reinickendorf in Erinnerung hat. Still ist es auch um das große Kasernengelände geworden: Hat sich das Gewerbegebiet ringsherum so gut entwickelt, dass es sogar erweitert werden musste, ist für den Nato-Komplex kein Investor in Sicht.
Die Zukunft hängt zum einen vom Gebietsentwicklungsplan ab, der zurzeit überarbeitet wird. Zum anderen werden die Ergebnisse des Stadtmarketingprozesses mit Spannung erwartet.
Diese Daten wurden 2000 von der Lippischen Landes-Zeitung übernommen und 2008 aktualisert
Zum Schluss noch ein paar Stichworte zur Kernstadt.


