Hübsche Wanderwege, liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser, Wald und Felder, wohin das Auge blickt, ab und zu kreuzt ein Pferdegespann den Weg.

Kleinenmarpe

Kleinenmarpe
Kleinenmarpe, Foto: Rüdiger Haase

Wenn Senioren wieder zur Schule gehen

Blomberg-Kleinenmarpe. 13 bewirtschaftete Bauernhöfe gab es in den 50er- Jahren in Kleinenmarpe. Damals machte der kleine Ort der Bezeichnung „altes Bauerndorf“ alle Ehre. Heute gibt es in Kleinenmarpe nur noch zwei Vollerwerbslandwirte – doch geblieben ist der unverkennbare Charme des idyllisch gelegenen Ortes, fernab der viel befahrenen Ostwestfalenstraße.

Kleinenmarpe
Foto: Rüdiger Haase

Hübsche Wanderwege, liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser, Wald und Felder, wohin das Auge blickt, ab und zu kreuzt ein Pferdegespann den Weg – auch Ortsvorsteher Günter Nulmeier weiß das Flair zu schätzen. Er ist in Kleinenmarpe groß geworden, sein Vater Gustav war der erste Bürgermeister des Ortes nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals wurde in der Alten Schule, der Name lässt es ahnen, noch unterrichtet: „Bis zu 100 Schüler aus Dalborn und Kleinenmarpe, darunter viele Evakuierte, gingen damals in die Dorfschule“, berichtet der Ortsvorsteher. Mit der Schließung der Dorfschule im Jahre 1968 hat sich der Schulweg der Kinder um einiges verlängert. Zur Grundschule gehts nun nach Großenmarpe. Der alte Klassenraum jedoch erhält gerade neuen Glanz. Seit einiger Zeit renovieren engagierte Bürger den hinteren Teil des Gebäudes. Hier ist Ende September 2000 der Dorfgemeinschaftsraum eingeweiht worden.

Auf 150 Quadratmetern, mit Theke und allem drum und dran. Initiiert hat die Aktion der 1978 gegründete Heimatverein. Dass die Kleinenmärper zupacken können, beweisen sie nun jeden Samstag und nicht selten auch nach Feierabend. Nullmeier: „In Spitzenzeiten haben bis zu 15 Mann geholfen“. Und wer trifft sich demnächst hier? Zum Beispiel die Volkstanzgruppe oder auch der Seniorenklub, verrät Nullmeier. Gerade die Senioren – aus Kleinenmarpe und Dalborn – werden sich wohl besonders heimisch fühlen, gingen doch die meisten von ihnen hier früher gemeinsam zur Schule. Der Heimatverein hält seine rund 140 Mitglieder jedoch nicht nur zur Arbeit an:

Osterfeuer, Erntefest, Kindercampen oder Familienwanderungen – die Kleinenmärper wissen auch, wie lustiges Beisammensein „geschrieben“ wird. Eindrucksvoll bewiesen sie dies, als sie 1996 das 888-jährige Bestehen ihres Ortes feierten. Wer mehr über die Geschichte der vielen schmucken Fachwerkhäuser im Ort erfahren möchte, wirft einen Blick in die Dorfchronik, die der ehemalige Ortsvorsteher Willi Lesemann 1989 aus mehreren alten Chroniken und eigenen Recherchen zusammengestellt hat. Dort erfährt man zum Beispiel, dass das älteste Gebäude der alte Schreinhof, errichtet 1518, ist. Doch in Kleinenmarpe gibt es noch etwas älteres: Die Glocke aus der ehemaligen Kapelle nämlich. Existiert die Kapelle auch seit langem nicht mehr, so wurde doch die Glocke gerettet und hängt heute im Turm der Alten Schule – die eingravierte Jahreszahl 1393 ist noch gut zu lesen.

Neben Lesemann haben sich auch der Pastor Karl Meyer vom Meyerhof und später – im Jahre 1936 – der Sohn des ehemaligen Kolonialwarenhändlers und Gastwirts Brächtker mit der Geschichte des Ortes befasst. Der Name Brächtker ist in Kleinenmarpe übrigens noch heute ein Begriff. Zwar sind Geschäft und Kneipe mittlerweile geschlossen, doch der Familie wurde dennoch ein Denkmal gesetzt: „Brächtkerberg“ heißt die Straße, die neben den ehemaligen Geschäftsräumen entlang führt.

Info

  • Einwohnerzahl: 171
  • Größe: 3442321 Quadratmeter

Besonderheiten

  • Dorfchronik (in ungebundener Form)
  • zwei Fahrerausbilder (Pferdekutsche)

Infrastruktur

Dorfgemeinschaftsraum (im Entstehen), zwei landwirtschaftliche Voll-, vier Nebenerwerbsbetriebe, ein Viehhandel, ein Maschinenbaubetrieb, eine Altenbetreuungs-Einrichtung, eine Tierpension, Pony-/Reitplatz, Spielplatz

Vereine

Heimatverein, Volkstanzgruppe, Seniorenclub (mit Dalborn), Jagdgenossenschaft

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von der Lippischen Landes-Zeitung im Jahre 2000 übernommen und 2008 aktualisiert.

Zum Schluss noch ein paar Stichworte zum Ortsteil.