Maspe

Wo den „Tommys“ das Wasser bis zum Hals stand und der Krümpelbach fließt

Blomberg-Maspe. Wenn er einen Masper über dessen Heimatdorf reden hört, denkt der Fremde, er habe sich verhört: „Seestadt Maspe“, das klingt schon beeindruckend angesichts einiger besserer Tümpel, die das Örtchen vorweisen kann. Heißt aber trotzdem so. Und nur einer im Ort weiß, warum: der Hobby-Heimathistoriker Ernst Illigens. Aber der verrät es nicht, weil er die Masper eines schönen Tages damit überraschen will. Ansonsten gibt er gern alles über die Dorfgeschichte preis.

Die Masper bauen zurzeit ein aktuelles Internetangebot rund um ihren Ortsteil auf. Der Besuch lohnt sich, falls Sie mehr über das tägliche Leben in unserer „Seestadt“ erfahren möchten …

Schlagzeilen von maspe-seestadt.de

Maspe
Foto: Rüdiger Haase

Ein einziges Mal hat die „Seestadt“ für eine Stunde lang den Namen völlig zu Recht getragen – beim großen Hochwasser im Juni 1975, als der Krümpelbach über die Ufer trat. Daran erinnert sich auch Ortsvorsteher Klaus-Dieter Lippke noch gut: Ich weiß noch genau, ich kam von der Arbeit und habe mich gewundert, warum auf einmal die Straße gesperrt war. Und plötzlich kam ich an englischen Soldaten vorbei, die machten gerade Manöver in Maspe. Die haben sich einen Spaß daraus gemacht und saßen buchstäblich bis zum Hals im Wasser. „Die Tommys haben uns dann geholfen, die Schweine auf die Dachböden zu tragen“. Und so schnell, wie der Spuk gekommen war, war er auch wieder vorbei“, weiß Ernst Illigens und kramt historische Fotos zum Beweis hervor.

Ernst Illigens hat schon manche Stunde im Archiv gesessen und alte Zeitungsbände durchgeackert. Und hat dabei nicht nur die Dönnekens und Katastrophen zusammengetragen, sondern auch die trockenen Fakten: Maspe wird im Jahre 1384 erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 1488 zählt der Ort, der zum Einzugskreis des Adelsgeschlechts derer von Donop gehörte, gerade mal 23 Einwohner. Ernst Illigens hat sich nicht nur mit den Akten auseinandergesetzt, sondern auch mit dem Gesicht des Dorfes. Anhand alter Fotografien und einer historischen Zeichnung von Stenneberg aus dem Jahre 1841 hat er sogar ein maßstabsgetreues Modell nachgebaut und sorgsam unter einer Glasvitrine verstaut.

Einige der Häuser, zum Beispiel historische Mühle und das große Gut, prägen auch heute noch den Ort. In dieser Idylle hat sich vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein reges Vereinsleben entwickelt, wie Illigens nachgeschlagen hat. „Das, was andere Orte heute haben, haben wir längst hinter uns“, nimmt er mit Humor: Der Schützenverein von 1891, der Kriegerverein (1894), Gesangverein (1896), der Gemischte Chor (1950) – sie alle existieren längst nicht mehr. Umso reger ist der Spiel- und Sportverein (SSV) Maspe. „Den haben wir im Jahre 1979 aus der Taufe gehoben“, erzählt Ortsvorsteher Klaus Lippke. „Ursprünglich war das eine Thekenmannschaft, die ab und zu Fußball gegen andere lippische Gruppen gespielt hat“. Daraus ist mittlerweile ein blühender Verein mit 142 Mitgliedern geworden:„Wir spielen immerhin in der Kreisliga B, eine Liga höher als Blomberg. Das reibe ich dem Bürgermeister ab und zu unter die Nase“, schmunzelt Lippke. Mindestens so agil wie der SSV ist natürlich die Dorfgemeinschaft: Der Mangel an Vereinen bedeutet nämlich nicht, dass die Masper nichts zustande brächten.

Man sollte sich mal im neuen Dorfgemeinschaftshaus umschauen: Tausende von Arbeitsstunden stecken in diesem Gebäude, das mittlerweile ein echtes Schmuckkästchen ist. Ganz heil ist die Welt der Masper allerdings dennoch nicht, doch das liegt wahrlich nicht in ihrer Hand: „Seit über 20 Jahren versuchen wir, einen Fußweg nach Tintrup zu bekommen“, damit die Masper gefahrlos zum Friedhof laufen können. Aber wir werden immer wieder vertröstet. „Das wird wohl nie was“, ist der Ortsvorsteher frustiert. Man kann eben nicht alles haben – nicht einmal in der Seestadt.

Info

  • Einwohnerzahl: 270
  • Größe: 2093170 Quadratmeter

Besonderheiten

  • ungewöhnlicher Beiname* Dorfmodell von 1841

Infrastruktur

Dorfgemeinschaftshaus, ein Grillplatz, zwei landwirtschaftliche Voll-, vier Nebenerwerbsbetriebe, ein Elektroinstallationsbetrieb, ein Heizungsbaubetrieb, ein Logopäde

Vereine

Spiel- und Sportverein Maspe; Dorfausschuss, Seniorenclub

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von der Lippischen Landes-Zeitung im Jahre 2000 übernommen und 2008 aktualisiert.

Zum Schluss noch ein paar Stichworte zum Ortsteil.