Tintrup

Tintrup Landschaft
Tintrup Landschaft, Foto: Rüdiger Haase

Tintrup: Zwischen Treckern und Erdbeeren

Blomberg-Tintrup. Wer nach Tintrup zieht, erhält einen freundlichen Brief. Ortsvorsteher Harry Thiel lässt es sich nicht nehmen, darin die Neubürger ganz persönlich zu begrüßen und in kurzen Sätzen über ihre neue Heimat zu informieren. Eine nette Geste, die Neulingen den Einstieg in die Dorfgemeinschaft erleichtern soll. Tintrup – ein Dorf zum Wohlfühlen.

Harry Thiels Ehefrau Elisabeth, geborene Schlichting, hat ihr ganzes Leben in dem idyllischen Dorf verbracht. Ihr Credo: „Ich wäre niemals woanders hingezogen.“ Und weil sie ihr Dorf so liebt, stört es sie nicht, dass auch an diesem Spätnachmittag ununterbrochen das Telefon klingelt: Ihr Ehemann ist nun mal Ansprechpartner für Jedermann. Und kennt Hinz und Kunz. Acht Vereine sind in Tintrup aktiv. Natürlich nennt Harry Thiel auch einen alten Trecker sein eigen – in der Heimat des Tintruper Treckerteams ist das Ehrensache. Harry Thiel ist fast überall Mitglied: „Natürlich nicht im Frauenchor und im Frauenseniorenclub“, schmunzelt er. Kein Wunder, dass er beim Rundgang im Dorf aus dem Grüßen kaum noch herauskommt. Das macht er sich zunutze, so auch an diesem Abend: „Thomas, haste morgen abend Zeit?“ ruft er über den Zaun, „wir wollen die Lampe in der Hütte aufhängen.“ Der Angesprochene hat zwar Stress, aber er verspricht, es zu versuchen. „Alle packen mit an. Nur bei den Jüngeren ist es ziemlich schwer, sie zu motivieren.“ Dennoch: Die Dorfjugend hat immerhin am Erdbeerstadion eine eigene kleine Hütte errichtet.

Tintrup Hof
Tintrup

Seinen liebenswerten Charakter erhält Tintrup durch alte Gehöfte und schmucke Fachwerkhäuser.

„Ich hab‘ gesagt: Wenn Ihr das in einer bestimmten Zeit fertig kriegt, spendier ich ein Fass Bier.“ Es hat funktioniert, das Häuschen ist fertig. Ebenfalls am Erdbeerstadion steht die dorfeigene Schutzhütte, die im Sommer fast immer vermietet ist. Dank Integra und einer kräftigen Finanzspritze der Tintruper verfügt die Hütte sogar über eine kleine, mit Rasengittersteinen gepflasterte Terasse. Ein schmucker Anblick, der gut zu dem Erscheinungsbild des ganzen Dorfes passt: Gepflegte Vorgärten, schmucke Fachwerkhäuser und sechs Anschlagtafeln, damit alle Bürger immer auf dem Laufenden sind.

„Die haben wir natürlich in Eigenleistung gebaut“, versichert Harry Thiel. Für die Blumen in den zugehörigen Kästen sorgt eigenhändig die holde Ehefrau. Tintrup – Tydendorp, wie es ursprünglich hieß, wurde 1411 urkundlich erwähnt. Wer es aus Richtung Maspe betritt, kommt erst einmal durch das „Tintruper Tor“. Eine mächtige Trauerbuche hat am Friedhof ihre Arme über die Straße gebreitet und empfängt den Besucher gleichsam wie ein Tor. Das war noch eindrucksvoller, bevor Mitarbeiter des Kreises die herabhängenden Zweige gnadenlos gestutzt haben, aber Äste wachsen ja glücklicherweise nach. Auf diesem Friedhof betten auch die Masper ihre Toten zur letzten Ruhe. Die Masper teilen sich mit den Tintrupern auch den Kindergarten im Gebäude der alten Schule. Bis 1966 haben hier die Kinder aus beiden Orten auch gemeinsam die Schulbank gedrückt.

Und aus dieser Schulzeit stammt ein Schatz, den der Ortsvorsteher ganz besonders sorgfältig bewacht: Ein Dorfbuch, handgeschrieben in Schülerschönschrift. Monatelang haben die Schüler aus Maspe und Tintrup recherchiert, sich mit der heimischen Tier- und Pflanzenwelt beschäftigt, die alten Leute im Dorf interviewt, den Tagesablauf eines Landwirtes erfragt und alle Ergebnisse fein säuberlich zusammen- und eingetragen. So ist ein eindrucksvolles Dokument entstanden, das auch schon vor 35 Jahren gezeigt hat: Tintrup ist ein liebens- und lebenswertes Dorf.

Infos

  • Einwohnerzahl: 332
  • Größe: 2908607 Quadratmeter

Besonderheiten

  • Liebhaber alter Trecker
  • Dorfmodell von 1841
  • sechs Anschlagtafeln

Infrastruktur

Dorfgemeinschaftsraum, eine Schutzhütte, ein Sportplatz, ein Kindergarten, zwei landwirtschaftliche Betriebe, ein Obsthof, eine Tischlerei

Vereine

Dorfausschuss, Ziegler- und Handwerkerverein, Sportverein FC Tintrup, Tintruper Trecker-Team, Frauenchor, Männergesangverein, Frauenseniorenclub, Männerseniorenclub

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von der Lippischen Landes-Zeitung im Jahre 2000 übernommen und 2008 aktualisiert.

Zum Schluss noch ein paar Stichworte zum Ortsteil.