Wellentrup

Hier „regiert“ die Dorfgemeinschaft

Blomberg-Wellentrup. Dass in Wellentrup einmal das Herz der lippischen Molkereiwirtschaft schlug, ist heute nur noch wenigen bekannt. Doch tatsächlich wurde hier 1888 die Molkereigenossenschaft gegründet – mit einem Verkaufsschlager namens „Honey-poney“.

Wellentrup
Alte Bauern- und Zieglerhäuser halten das Erbe der Ahnen wach. Foto: Rüdiger Haase

Der Buttermilchtrunk mit Kohlensäure und Zitrone schmeckte an heißen Tagen ohnegleichen, versichern Alteingesessene. Das erfrischende Getränk hatte nur einen Haken. Über Nacht setzte sich ein dicker Rand ab, die Flasche musste kräftig geschüttelt werden, damit sich die Bestandteile wieder miteinander verbanden. Nicht jeder dachte aber daran, die Flasche vorsichtig zu öffnen, den meisten flogen durch die Kohlesäure Korke und Buttermilch nur so um die Ohren. Die Firma musste ihre Exporthoffnungen mit der Schließung 1956 begraben. Doch noch heute schwärmen Wellentruper auch von der Butter. Die Molkerei ist nicht die einzige Erfolgsstory, die der Ortsteil zu bieten hat. Im gleichen Gebäude (Istruper Straße 74) schaffte 1864 der „Oeconom“ Friedrich Ottomeyer zwei englische Dampflokomotiven an, um damit im Lohn zu dreschen und Holz zu sägen. Später entstand hieraus die Gründung einer Landmaschinenfabrik, die noch heute existiert. Sie siedelte sich 1874 in Steinheim an. Noch heute wird in Wellentrup nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet. Vier Landwirte erwirtschaften sich ihr Einkommen auf Vollerwerbsbetrieben.

Handwerks- und Gewerbebetriebe haben sich einen Standort gesichert. „Das ist eine Seltenheit“, erklärt Dr. Heinrich Stiewe vom Dorfausschuss – zumal Wellentrup nur knapp 270 Einwohner habe. Der Historiker berichtet, dass der Ort Walderingthorp 1153 erstmals urkundlich Erwähnung fand. Zu der Zeit mussten die Zehnteinnahmen an das Kloster Gehrden abgeliefert werden. Vermutlich ist das Dorf aber weit mehr als 1000 Jahre „Der Name wird auf den Personennamen Walter in Verbindung mit der Endung -dorf (-torp, -trup) zurückgeführt“, so Stiewe. Vermutlich handele es sich um den Namen des ersten Ansiedlers oder Gründers einer Siedlungsgemeinschaft. Nachlesen kann man dies in der Dorfchronik, die im Mai 2002 erschienen ist. Die Dorfbewohner können aber auch auf ihre vier Teiche stolz sein, die schon seit rund 400 Jahren bestehen.

Die Naturschutzwiesen werden vom BUND und Jägern gepflegt. Für den Weidenschnitt und die Bachränder fühlt sich die Dorfgemeinschaft zuständig, der einzige Verein im Ort. Gegründet 1992 gehören ihr immerhin 100 Mitglieder an. Das ist für Ortsvorsteher Helmut Schröder ein wesentlicher Grund, dass vieles in Wellentrup einhellig geschieht und in Harmonie zusammengelebt wird. Die Dorfgemeinschaft setzte sich für den Bau des Dorfgemeinschaftshauses ein, für das hohe Eigenleistungen erbracht wurden. „Wir haben seitdem Räume, wo wir uns treffen können und hier findet auch jährlich das Dorffest statt“, erzählt Schröder. Ausflüge, Kaffeetrinken und Kinderfest gehören außerdem zum jährlichen Veranstaltungsrhythmus.

Froh sind die Bewohner auch über den Ausbau der Ortsdurchfahrt, die durch Fahrbahnverengungen tempodrosselnd wirkt. Fruchtbare Äcker, nette Menschen, tolle Gemeinschaft; im Flächennutzungsplan der Stadt Blomberg sind 1,5 Hektar für Wohnbauzwecke ausgewiesen.

Info

  • Einwohnerzahl: 270
  • Größe: 3615016 Quadratmeter

Besonderheiten

  • vier mehrere hundert Jahre alte Teiche
  • Sammlung alter Trecker durch Reinhold Rieks

Infrastruktur

Dorfgemeinschaftshaus, vier landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe, ein Nebenerwerbsbetrieb, Viehhandlung, Zimmerei, Bauunternehmen, Maklerbetrieb, Sanitär- und Heizungsbaubetrieb, Lebensmittelgeschäft, Kinderspielplatz, Friedhof, Bolzplatz

Vereine

Dorfgemeinschaft seit 1992

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von der Lippischen Landes-Zeitung im Jahre 2000 übernommen und 2008 aktualisiert.

Zum Schluss noch ein paar Stichworte zum Ortsteil.